"MAMA?!", ruft meine Tochter. "Du gönnst mir keine Pause, oder?" entgegne ich und setze mich auf den Boden. Ich stütze meinen schmerzenden Kopf in meine Hände und dabei kullert mir eine Träne über die Wange. Meine Tochter wird auf einmal ganz ruhig, kommt zu mir und nimmt mich in den Arm. Normalerweise hält sie eine Umarmung keine drei Sekunden aus. Diesmal verharren wir eine Weile in dieser Position. Einerseits ärgere ich mich, dass ich diese Schwäche gezeigt habe, andererseits bin ich froh darum, dass meine Tochter auf ihre Art versteht was los ist. Ich realisiere, dass ich beim Tatendrang meiner Tochter nicht mithalten kann. Das stimmt mich oft traurig in letzter Zeit. Doch umso schöner ist es, dass sie in der Krippe und bei Verwandten und Freunden, die mich unterstützen, auf ihre Kosten kommt. Die vergangene Chemo habe ich wieder besser vertragen, als die dritte. Vor allem das Wissen es sind nun 4 von 4 heftige Zyklen geschafft hilft mir enorm die Nebenwirkunge...
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Eine Woche ist vergangen. Es fühlt sich an als wäre ich für eine lange Zeit am anderen Ende der Welt gewesen. Wäre das schön... Nach der letzten Chemogabe falle ich in ein tiefes Loch. Ich brauche viel Kraft und Willensstärke mich dort wieder rauszukämpfen. Ich bitte meine Familie um Unterstützung, da ich nicht allein sein möchte. Ab Sonntag ist meine Tochter wieder bei mir und schenkt mir unglaublich viel Energie. Die negativen Gedanken verschwinden und der Kampfwille kehrt zurück. Bei einer psychosozialen Beratungsstelle hole ich mir Unterstützung. Diese fühlt sich richtig gut an. Schon allein das erste Telefonat hilft mir. Außerdem hatte ich einen ganz wichtigen Termin im Brustzentrum. Meine betreuende Gynäkologin begrüßt mich gut gelaunt. Ich habe ein wenig Angst, welche Neuigkeiten mich diesmal erwarten. Ich zweifle schon ein wenig, ob die Chemotherapie den erwarteten Effekt erzielt. Sie bittet mich herein und beginnt ohne langes Vorgeplänkel direkt mit der Untersuchung...
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„Ich will nicht!“ denke ich an diesem Morgen. Ich stehe unmotiviert und viel zu spät auf. Ich versuche nicht an die Chemotherapie und ihre Folge zu denken. Gestern war ich beim Training, daran denke ich, um mich abzulenken. Ich ziehe mich an, heute wähle ich fröhliche Farben, eine senfgelbe Hose, einen weißen Pullover und mein regenbogenfarbenes Kopftuch. Ich schminke mich und freue mich dabei darüber, dass meine Augenbrauen und Wimpern noch da sind und dadurch mein äußeres Erscheinungsbild gesund aussieht. Ich frühstücke, packe meine Sachen und steige ins Taxi. Heute fühle ich mich etwas schwächer, als beim letzten Mal. Ich gehe in die Tagesklinik und Schwester Rita nimmt mir Blut ab. Mein Port ist nicht rückläufig, das bedeutet, dass der Katheter beim Anziehen, von der Venenklappe oder Venenwand blockiert ist. Daher nimmt Rita Blut am Arm ab. Das kommt häufig vor, sagt sie und beruhigt mich. Die Infusion kann trotzdem über den Port laufen. Im Wartebereich lese ich etwas, bis...
Zahlen und Fakten
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Im Dezember ‘19, nach dem Abstillen, entdecke ich einen unangenehmen Knoten in meiner linken Brust. Ich bespreche mit meinem Frauenarzt es weiter zu beobachten. Es könnte eine verstopfte Milchdrüse oder eine Zyste sein. Nach weiteren Terminen entwickele ich eine Hartnäckigkeit, dass ich die Zyste (oder was auch immer es sein mag) entfernen lassen möchte. Der Knoten ist schmerzempfindlich, stört mich im Alltag und geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich auf der linken Seite liege und wenn ich Sport mache spüre ich ihn. Im April ’20 erhalte ich eine Überweisung ins Brustzentrum. Am 9. Juli bekomme ich endlich einen Termin. Es wird eine Biopsie vorgenommen und etwa 14 Tage später ist das Ergebnis da. Ich habe ein Mammakarzinom in der linken Brust. Frühe Brustkrebserkrankung (das bedeutet keine Metastasen). HER2 positiv (Score 3+). Aggressiv und schnell wachsend. Kein spezieller Typ, also nicht nur in einer bestimmten Gewebeart vorkommend. Östrogenrezeptor pos. 80%. Progesteron...
Positiv bleiben
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"Sei frech und wild und wunderbar." Astrid Lindgren Nach diesem Spruch lebe ich schon immer und daran ändert sich nichts. Ich gehe die Behandlung positiv an. Die Medizin ist sehr weit fortgeschritten und mein Therapieplan ist sehr genau auf meine Art von Tumor abgestimmt. In den letzten Tagen ging es mir wieder sehr gut. Ich treffe gern meine Familie und habe viele Freunde gesehen und gesprochen. Ich denke sehr gern an die vielen kleinen schönen Momente. Die Besorgungen und das Überreichen meiner Einzugsgeschenke für meine Geschwister. Das Frühstück mit meiner Mannschaft, die mich sehr positiv empfangen haben und ich mich richtig wohl fühlen konnte. Das Abendessen mit meiner Mitbewohnerin, meinem Bruder und Freunden, bei dem wir sehr viel gelacht haben. Die Spaziergänge mit Freunden und meiner Tochter. Das Abendessen mit der Familie des Freundes meiner Schwester. Es gab übrigens Apfel-Schweinefilet-Topf mit Reis und es hat super lecker geschmeckt. Ich starte jeden Morgen, d...
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Ich werde oft gefragt: "Wie geht's dir?". Es ist eine schwierige Frage für mich. Wie soll ich antworten? Ehrlich, oder für mein Gegenüber schonend? Nennenswert sind die Nebenwirkungen, die ich habe, aber auch nicht zu viele, ansonsten beunruhige ich mein Umfeld. Oft sage ich: "Ich bin froh so wenig Nebenwirkungen zu haben. Ich fühle mich schwächer und habe auch hier und da Wehwehchen. Es ist aber alles erträglich und so kann es weiter gehen. Ich fühle mich, als säße ich unter einer Glasglocke." Doch, nachdem ich die letzten Tage unter der Glasglocke verbracht habe, möchte ich die Dinge, die mich beschäftigen erzählen. Direkt nach der Chemogabe fühle ich mich krank. Es ist wie eine Grippe ohne Erkältungssymptomen. Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwäche sind die Hauptnebenwirkungen. Ab dem zweiten Tag nach der Chemo lassen die Kopfschmerzen nach und die Übelkeit wird durch ein flaues Gefühl im Magen abgelöst. Ich fühle mich noch schlapp, kann aber kleinere Spazierg...
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Ich wache gut gelaunt auf und bin wirklich froh keine schlimmen Nebenwirkungen zu haben. Sofort denke ich an meine Schwester, die einen wichtigen Termin hat und frage mich, weshalb sie noch nicht wach ist. Ich bleibe doch die fürsorgliche große Schwester und wecke sie sanft. Ihr Wecker hätte in zehn Minuten geklingelt. Nach ihrem Termin frühstücken wir zusammen. Wieder habe ich nur Appetit auf herzhaftem Aufstrich und Tee. Den Kaffee möchte ich gern noch vermeiden, da sich meine Schleimhäute geschwollen anfühlen. Mir ist flau im Magen, doch das Frühstück hilft sehr gut und die Kopfschmerzen sind auch erträglich. Ich fühle mich wackelig auf den Beinen und freue mich aufs Sofa. Trotzdem nehme ich mir Kleinigkeiten vor. Ich stelle eine Wäsche an und mache einen kleinen Spaziergang. Ich bin etwas stolz auf mich, dass ich schon am ersten Tag nach der Chemogabe einmal um den Pudding laufen kann. Das regnerische Wetter macht mir garnichts aus. Es ist sehr erfrischend. Mittags mache...